Nachhaltigkeitsanforderungen, steigende Kosten und die neue EU-Verpackungsverordnung beeinflussen das Packaging in der Medizintechnik stärker denn je. Trotz branchenspezifischer Ausnahmen sollten Hersteller frühzeitig handeln, um Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen.

Medizinische Geräte gibt es in unterschiedlichsten Formen und Größen, doch eines ist essenziell: Sie müssen sicher beim Anwender ankommen. Die Verpackung spielt dabei eine zentrale Rolle, denn sie schützt vor biologischer Kontamination, physischen Schäden und anderen äußeren Störungen. In den letzten Jahren hat der Verpackungssektor jedoch einen bemerkenswerten Wandel erlebt. Laut Fortune Business Insight wird der Markt medizinischer Verpackungen von 26,99 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 41,57 Milliarden US-Dollar im Jahr 2032 wachsen – eine jährliche Wachstumsrate von 5,55 %. Zwei Trends treiben diese Entwicklung voran. Während der Covid-19 Pandemie stieg die Nachfrage nach Verpackungen, die einfach vom medizinischen Personal entsorgt werden konnten. Der Trend zu Einweggeräten und minimalinvasiven Verfahren erhöht zudem die Zahl an Sterilverpackungen. Doch was ist mit ökologischer Verantwortung? In deutschen Krankenhäusern fallen jährlich rund 4,8 Millionen Tonnen Abfall an – sie gehören zu den fünf größten Abfallerzeugern des Landes. Immer öfter werden daher innovative Materialien wie intelligente, aktive und faserbasierte Verpackungen eingesetzt.
Die EU-Verpackungsverordnung
Nachhaltige Verpackungen sind nicht nur eine technologische Herausforderung, sondern auch eine regulatorische Notwendigkeit. Die EU-Verpackungsverordnung (Verordnung (EU) 2025/40), die als Teil des Green Deals und des Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft die Nachhaltigkeit von Verpackungen stärken soll, übernimmt dabei eine Schlüsselrolle. Die sogenannte Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) trat am 11. Februar 2025 in Kraft. Jedoch gelten die meisten Bestimmungen erst ab dem 12. August 2026 nach einer Übergangsfrist von 18 Monaten. Die PPWR soll den Verpackungsmarkt vereinheitlichen und die Kreislaufwirtschaft stärken, indem sie Regeln für den gesamten Lebenszyklus von Verpackungen festlegt. In Zukunft unterliegen die Verpackungen medizinischer Geräte strengeren Anforderungen an Nachhaltigkeit und Recyclingfähigkeit. So müssen diese nachweislich auf ein Mindestmaß reduziert werden, ohne Schutz oder Funktionalität zu beeinträchtigen. Zudem schreibt die Verordnung vor, dass bis 2030 alle Verpackungen vollständig recyclingfähig sein müssen. Einwegkunststoffe werden stärker reglementiert und es gelten höhere Quoten für den Einsatz recycelter Materialien. Insbesondere für sterile Medizinprodukte gibt es jedoch Ausnahmen, um die Patientensicherheit nicht zu gefährden. Darüber hinaus müssen Hersteller und Inverkehrbringer künftig erweiterte Berichtspflichten erfüllen, um die Recyclingfähigkeit und den Materialeinsatz ihrer Verpackungen transparent zu machen. Nachhaltigkeit ist längst mehr als eine Pflichtaufgabe. Richtig umgesetzt kann sie für Unternehmen zu einem echten Wettbewerbsvorteil werden. Durch den Einsatz neuer Materialien und optimierter Verpackungslösungen lassen sich beispielsweise Lager- und Transportkosten deutlich senken.
Nachhaltige Verpackung in der Praxis
Der EMS-Spezialist Plexus arbeitet bereits mit vielen Kunden an solchen nachhaltigen und gleichzeitig kosteneffizienten Lösungen. Für einen weltweit führenden Medizintechnikhersteller entwickelte das Ingenieurteam eine optimierte Verpackungslösung für elektronische Leiterplatten, die essenzielle Komponenten in hochsensiblen Geräten wie MRT-, CT- und Ultraschallsystemen darstellen. Das Plexus-Team erarbeitete eine Neugestaltung der Verpackung, die nahezu 30 verschiedene Platinen-Konfigurationen effizient abdeckt. Dabei galt es, mehrere wichtige Herausforderungen zu bewältigen:
1. Verbesserte Verpackungsqualität
Verpackungen im medizinischen Bereich müssen höchsten Schutz- und Qualitätsstandards entsprechen, da sie eine entscheidende Komponente für die Sicherheit und Funktionalität sensibler Produkte darstellen. Sie schützen medizinische Komponenten vor mechanischen Belastungen, Feuchtigkeit und Verunreinigungen, die ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können. So auch bei empfindlichen Bauteilen wie elektronischen Leiterplatten. Verpackungsfehler führen oftmals nicht nur zu erhöhtem Ausschuss und steigenden Ersatzkosten, sondern auch zu Produktionsverzögerungen, die sich entlang der gesamten Lieferkette auswirken. Durch die Zusammenarbeit mit Plexus konnte der Medizintechnikhersteller das Risiko von Transportschäden an den Platinen durch eine optimierte Verpackungslösung erheblich reduziert werden. Der EMS-Experte ersetzte die ursprüngliche Verpackungskonfiguration durch eine stabilere und benutzerfreundlichere Tray-Lösung, die Transportschäden nahezu eliminiert und den Ausschuss minimiert. Dies verringert die Umweltbelastung und senkt sowohl den Energieverbrauch als auch CO₂-Ausstoß entlang der gesamten Lieferkette.
2. Optimierte Lagerung
Effiziente Produktionsabläufe erfordern neben reibungslosen Prozessen, auch eine durchdachte Lagerstruktur. Unnötig große oder unhandliche Verpackungen verschwenden wertvollen Lagerplatz und treiben die Betriebskosten in die Höhe. Oft fehlt die umfassende Abstimmung zwischen Produkt und Verpackung. Viele Unternehmen setzen über die Jahre eine Vielzahl unterschiedlicher Verpackungsarten ein, um den jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden. Was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, führt in der Praxis häufig zu ineffizienter Raumnutzung. Die neue verbesserte Verpackungslösung der Platinen, entwickelt durch die Plexus-Ingenieure, konnte den Lagerbedarf an der Produktionslinie des Medizintechnikunternehmens optimieren und die Bestandsverwaltung verbessern. Zusätzlich erleichtert das neue weiterentwickelte Kennzeichnungssystem nun das Scannen und Zählen von Produktbeständen. Das Resultat: beschleunigte Lagerprozesse und minimierte Fehlbestände.
3. Höhere Effizienz
Überdimensionierte, sperrige oder unnötig komplexe Verpackungen belasten einerseits die Lagerkapazitäten, andererseits treiben sie auch den Zeit- und Kostenaufwand in die Höhe. Sie erschweren den Lagermitarbeitenden die Handhabung, benötigen mehr Material und beanspruchen zusätzlichen Platz im Transport, was wiederum zu höheren Versandkosten führt. Zudem verlängern sie die Bearbeitungszeiten entlang der gesamten Lieferkette, da sie deutlich mehr Aufwand beim Verpacken, Sortieren und Verladen erfordern. Hier konnte das Med-Tech-Unternehmen dank der optimierten Verpackungslösung der Leiterplatten den Verpackungsprozess im Fertigungsablauf erheblich beschleunigen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: bis zu 200 Stunden weniger Verpackungszeit pro Konfiguration.
4. Optimierung des Versands
Ineffiziente Verpackungslösungen führen einerseits zu steigenden Personal- und Transportkosten, andererseits erhöhen sie die Umweltbelastung durch übermäßigen Materialverbrauch und zusätzliche CO₂-Emissionen. Unternehmen stehen daher zunehmend unter Druck, ihre Prozesse zu analysieren, um sowohl wirtschaftliche Effizienz als auch ökologische Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Dies trifft insbesondere auf die Gesundheitsbranche zu, die weltweit etwa vier Prozent und in Deutschland rund fünf Prozent der CO₂-Emissionen verursacht. Die Überarbeitung der Verpackungslösung beim Plexus-Kunden führte zu einem geringeren Materialverbrauch und einer verbesserten Packdichte. Dies steigerte die Anzahl der versendeten Platinen pro Lieferung um bis zu 33 %. Einfach gesagt: Weniger Lieferungen sind erforderlich, um die gleiche Menge an Platinen zu versenden.
5. Nachhaltigere Materialien
Einwegkunststoffe dominieren nach wie vor die Verpackungen im Gesundheitssektor, da sie oftmals kostengünstig, langlebig und leicht zu sterilisieren sind. Eine Studie eines deutschen Krankenhauses (2022) zeigt, dass Kunststoffverpackungen täglich 16 g Abfall pro Patienten verursachen. Trotz verfügbarer nachhaltiger Alternativen bleibt der Umstieg oft aus, sei es aus Kostengründen, fehlender Expertise oder aufgrund fest verankerter Prozesse. Der EMS-Experte Plexus analysierte das bestehende Tray-Design des Medizinprodukts und entwickelte eine umwelt-freundlichere Alternative. Das neue recycelbare Kunststoff-Tray ersetzt antistatische Einwegplastiktüten und verkleinert die äußere Versandbox, wodurch weniger Material benötigt wird.
6. Kostenreduzierung
Auch steigende Material- und Energiekosten machen Kosten-und Verpackungsoptimierungen für Unternehmen in der Medizintechnik unverzichtbar. Die weltweite Knappheit bei wichtigen Rohstoffen wie Halbleitern, Verpackungsmaterialien, Harzen, Kunststoffen und chirurgischen Legierungen, die für die Herstellung von Medizintechnik wichtig sind, hat in den letzten Jahren zu erheblichen Preissteigerungen beigetragen. Allein die Plastikpreise stiegen 2022 um bis zu 130 % im Vergleich zu den Jahren zuvor. Die vom Plexus-Team entwickelte neue Verpackungslösung der Platinen trug wesentlich zu einer Kostenreduktion von fast 50 % gegenüber der ursprünglichen Lösung bei. Auch hier ist die vorgenommene Anpassung eine echte Win-Win-Lösung: Denn die veränderte Packungsdichte und der geringere Materialeinsatz senkten die Transportemissionen um rund 50 %.
Fazit
Nachhaltige Verpackungslösungen sind in der Medizintechnik längst ein zentrales Thema. Doch echte Umweltfreundlichkeit erfordert mehr als nur weniger Material, sie setzt optimierte Designs, ressourcenschonende Prozesse und innovative Konzepte voraus. Die Zusammenarbeit mit EMSDienstleistern bietet Herstellern entscheidende Vorteile: Statt isoliert nach Lösungen zu suchen, können sie auf spezialisierte Expertise zurückgreifen, um nachhaltige Verpackungen zu entwickeln, die sowohl ökologischen als auch funktionalen und regulatorischen Anforderungen gerecht werden.
Kontakt: Plexus, Lisa Gladstone, Market Communications Specialist Snr. – EMEA; Lisa.Gladstone@plexus.com
Erschienen in: MED engineering 3/4-2025
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